Ärger mit der Werkstatt: 200 Euro für einen Kostenvoranschlag sind überzogen

12. September 2013


Finden Kfz-Mechaniker alle Fehler, wenn sie ein Auto zu checken haben? Der ADAC wollte das herausfinden und hat bundesweit Testautos - mit Mängeln präpariert - in Werkstätten gegeben. Dabei wurde auch der Kundenservice unter die Lupe genommen. Die Testergebnisse zusammengefasst: Freie Betriebe sind oft durchgefallen, die getesteten Werkstatt-Ketten waren aber auch nicht immer gut. *)Nun gibt es diesen Test grundsätzlich einmal pro Jahr. Autobesitzer jedoch haben sich das ganze Jahr über mit Problemen und Problemchen in ihrer Werkstatt herumzuschlagen. Ist der Ärger nicht im Guten „aus der Welt zu schaffen“, so treffen sich Kunde und Werkstatt schon mal vor Gericht – unter anderem mit folgenden Fällen.InspektionSo war eine Werkstatt im Raum Kiel mit einer Routine-Durchsicht eines Wagens beauftragt worden. Die Autobesitzerin wurde nach der „Inspektion“ nicht darüber informiert, dass eine Wartung oder ein Austausch wichtiger Kfz-Teile laut Herstellervorschrift kurz bevorstand. Die Kundin versäumt den Zeitpunkt des nötigen Austausches, und es kam später zu einem Schaden am Fahrzeug, der daraus resultierte. Dafür wollte sie nicht aufkommen, sondern die Werkstatt für den mangelhaften Service zur Kasse bitten. Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht sah das auch so.Die Frau hatte ihren Wagen bei einem Tachostand von 58.300 Kilometern zur so genannten B-Inspektion gebracht, bei der pauschal Lampen, Kältemittel, Scheibenwischer, Luft- und Ölfilter und Reifen getauscht wurden. Nicht aber der Zahnriemen, der ein halbes Jahr später riss und nach 60.000 Kilometern hätte geprüft werden müssen. Der Mechaniker hatte auf dem Inspektionsbogen „Nein“ beim Feld „Steuerriemenwechsel fällig“ angekreuzt. Das hätte er aber hier deshalb nicht tun dürfen, weil der notwendige Zahnriemenwechsel schon nach weiteren 1.700 Kilometern fällig war. Deshalb wurde die Werkstatt zum Ersatz der Kosten in Höhe von 6.000 Euro für den Austauschmotor verurteilt. (Schleswig-Holsteinisches OLG, 4 U 171/09)Schlampiger MitarbeiterEine Zeitschrift hatte in einem Test Mängel in der Arbeit einer Kfz-Werkstatt aufdeckt. Das nahm ein Kunde zum Anlass, den mit dieser Werkstatt geschlossenen Servicevertrag „aus wichtigem Grund“ zu kündigen. Durfte er aber nicht, entschied das Oberlandesgericht Frankfurt am Main. Denn dann würde jede Kündigungsfrist hinfällig und ein „sofortiger Rücktritt vom Dauerschuldverhältnis möglich“.Im konkreten Fall wurden in dem Testbericht zwar gravierende Fehlleistungen eines Werkstatt-Mitarbeiters aufgedeckt, die umso schlimmer waren, weil die nicht entdeckten oder behobenen Schäden am Auto die Sicherheit des Fahrers gefährdeten. Dennoch handelte es sich nach Ansicht der Richter um das Versagen eines einzelnen Angestellten, was keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die sonstigen Leistungen der Werkstatt und ihrer anderen Mitarbeiter zulasse. Das gelte umso mehr, weil der nun beanstandete Reparaturbetrieb im Jahr zuvor bei einem ähnlichen Test im Bereich Mängelerkennung die volle Punktzahl erhalten und insgesamt gut abgeschnitten hatte. Die in dem Einzelfall aufgedeckten Nachlässigkeiten seien also eher nicht typisch für den Betrieb. (OLG Frankfurt am Main, 11 U 8/10)200 Euro-Kostenvoranschlag „sittenwidrig“Eine Autoreparaturwerkstatt in Oberbayern berechnete für einen Kostenvoranschlag 198 Euro für einen zu reparierende Schaden in Höhe von letztlich „nur“ knapp 2.800 Euro. Die Kfz-Haftpflichtversi­che­rung des Unfallverursachers zahlte 50 Euro. Der Autobesitzer wollte auf dem Rest nicht sitzen bleiben und verlangte die Differenz vom Werkstattbetreiber - und bekam recht. 200 Euro seien in diesem  Fall sittenwidrig. (AmG Landsberg am Lech, 3 C 739/08) (Maik Heitmann und Wolfgang Büser/Auto-Reporter.NET)

{ 0 comments… add one now }

Leave a Comment

Previous post:

Next post: