American Way Of Drive: Die Geschichte der Kult-Caravans von Airstream

2. April 2014

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Mehr als acht Jahrzehnte ist es mittlerweile her, dass der am 4. Juli 1896, am amerikanischen Unabhängigkeitstag, geborene Amerikaner Wallace Merle Byam (genannt Wally) einen ganz eigenen, neuen Lebensstil entwickelt. Und den Mythos der „silbernen Zigarren", der Wohnwagen von Airstream, begründet.

Byam kauft im Jahre 1929 das Fahrgestell eines Ford Model T. Das hängt er hinter sein Auto, zieht es auf einen Campingplatz in den romantisch-mystischen Blue Mountains von Oregon und baut dort auf einem Campingplatz sein Zelt auf der Plattform auf. So richtig angenehm ist das wohl nicht. Findet vor allem Wallys Frau Marion. Sie beschwert sich über das mühsame und raue Leben im Zelt - und Wally, ganz braver Ehemann und auf das Wohl seiner Frau bedacht, macht sich ein paar Gedanken. Um seine Frau zu beruhigen und sich selbst die Arbeit beim Campen zu erleichtern, baut er auf dem Fahrgestell eine Dauerunterkunft, aerodynamisch in Tränenform gestylt und mit einem Kerosin-betriebenen Ofen und einem kleinen Kühlschrank ausgestattet. Wie fast alle Wohnwagen zur damaligen Zeit ist auch Wallys Caravan recht simpel aus Leinwand und Sperrholz gebaut. Die Zufriedenheit seiner Frau mit der rollenden Behausung ist vielleicht mit dafür verantwortlich, dass Wally unter der Überschrift „Wie man für einhundert Dollar einen Wohnwagen baut" einen informativen Artikel über seinen Selbstbau im gerne gelesenen Magazin Popular Mechanics verfasst. Die Leser seines Beitrags gieren nach weiteren Infos, einer genauen, detaillierten Bauanleitung. Der Herausgeber des Magazins bittet ihn, diese für zehn Cent pro Stück zu verschicken. Aber Wally, ganz cleverer Geschäftsmann, veröffentlicht eine Anzeige in Popular Mechanics. Dort bietet er sein „vervielfältigtes Büchlein mit Zeichnungen" zum Nachbau seines Wohnwagens für einen Dollar das Stück an. Eine lohnende Idee: Das große Interesse seiner Mitbürger bringt ihm mehr als 15.000 Dollar ein, für damalige Zeiten eine ganz schöne Stange Geld.

Eines Tages fragt ihn ein offenbar handwerklich weniger geschickter Nachbar, ob Wally ihm einen Wohnwagen bauen könne. Ja, genau so einen wie der, der vor seinem Haus steht. Wally willigt ein, er beauftragt einen Handwerker, der baut den Wohnwagen in Wallys Hinterhof. „Kaum war dieser fertig, wollte der Nachbar eine Tür weiter auch einen", so Wally. Der Auftrag geht wieder an den Handwerker. „Dann beschwerten sich die Nachbarn über den vielen Lärm", so Wally, „deshalb mietete ich mir ein Gebäude." Im Jahr 1932 stehen seine ersten Wohnwagen zum Verkauf. Wally nennt sie „Airstreams" - denn, so seine Erklärung, „sie bewegen sich auf der Straße wie ein Luftzug - like a stream of air." Wally Byam baut mit an der Zukunft des mobilen Lebens: „Mir wurde klar, dass dies ein verdammt gutes Geschäft werden könnte..." Das Geschäft mit Wohnwagen boomt in den USA - im Jahr 1932 gibt es in Amerika 48 Hersteller, fünf Jahre später liegt ihre Zahl bei mehr als 400. Aber: Lediglich Airstream hat bis heute überlebt. Firmengründer Wally verkauft in den ersten Jahren komplett ausgestattete Wohnwagen, seine Bauanleitungen und Bausätze.

Im Jahre 1935 kauft Wally Byam die Bowlus-Teller Trailer Company. William Hawley Bowlus, von Beruf Luftfahrtingenieur, konstruiert seine stromlinienförmigen Wohnwagen wie ein Flugzeug ohne Flügel: Ein Monocoque aus Aluminiumrohr, beplankt mit genieteten Aluminiumtafeln. Resultat dieses Konstruktionsprinzips ist eine hohe Stabilität bei gleichzeitig geringem Gewicht. Dummerweise ist Bowlus als Geschäftsmann nicht so genial wie als Konstrukteur, er geht Pleite und Wally kauft den Laden. Kleine Veränderungen am Grundkonzept werden vorgenommen, die Tür etwa wandert von der Front an die Seite, da der Einstieg über die Deichsel doch etwas unbequem ist. Dann werden die einstigen „Road Chief" mit ihrem damals hippen Art-Deco-Design als „Airstream Clipper" verkauft, eine Hommage an die seinerzeit bekannten „Pan Am Clipper"-Flugzeuge. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte gibt es nur fünf Änderungen im Design der Airstreams. Bis heute ist durch alle Modellgenerationen die Familienähnlichkeit absolut augenfällig. Als bekennender Perfektionist versucht Wally Mängel, die ihm von Kunden mitgeteilt werden oder die er selbst auf seinen Reisen feststellt, abzustellen. Sein Wahlspruch: „Wir machen keine Veränderungen - nur Verbesserungen." (dpp-AutoReporter)

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