ARCD kritisiert private Warnreflektoren an Bayerns Straßen

21. November 2010


Nach einer aktuellen Mitteilung des Bayerischen Innenministeriums dürfen fortan Revierbesitzer und Jäger im Freistaat farbige Wildwarnreflektoren an Leitpfosten montieren, und zwar nach Absprache mit der zuständigen Straßenbauverwaltung in eigener Verantwortung und mit eigenen finanziellen Mitteln. Ein 2006 gestarteter Modellversuch in Oberfranken mit blauen, blau-weißen oder roten Reflektoren ging der Freigabe voran.

Neben dem Gewöhnungseffekt beim Wild wurden auch Veränderungen bei den Unfallzahlen und die Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit untersucht. Laut Innenstaatssekretär Gerhard Eck habe sich keine „signifikante Abnahme von Wildunfällen“ durch Wildwarnreflektoren ergeben. Als Nebeneffekt zeigte sich aber, dass entsprechend ausgerüstete Leitpfosten und Leitplanken bei Nacht von Kraftfahrern besser erkannt wurden. Die privaten Jäger erhoffen sich von den Reflektoren, dass vor allem das Rehwild vor dem Überqueren einer Straße abgeschreckt wird, wenn Fahrzeugscheinwerfer die Warnflächen in der Dunkelheit leuchten lassen.

Der Auto- und Reiseclub Deutschland (ARCD) kritisiert, dass Jagdrevierbesitzer und Jäger in Bayern künftig öffentliche Leitpfosten und Leitplanken eigenmächtig verändern sowie die Anzahl und Beschaffenheit der Reflektoren bestimmen dürfen. Da die Rückstrahler den Wert von 100 Euro nicht übersteigen, brauchen sie nach Herstellerangaben keine besondere Typgenehmigung. Der Klub sieht die Gefahr, dass bestimmte Streckenabschnitte mit Reflektoren versehen würden, andere hingegen je nach Gusto der Revierbesitzer davon ausgespart blieben, was zu Verunsicherungen bei den Verkehrsteilnehmern führen könne.

Wildsachverständige warnen davor, dass insbesondere das Rehwild zur Straßenquerung reflektorlose Abschnitte bevorzugen könnte und es damit zu einer Massierung an bestimmten Stellen komme. Außerdem sei es, so der Autoklub, die hoheitliche Aufgabe der Straßenbehörden, bei nachgewiesenem Nutzen für die Verkehrssicherheit selbst für die Montage von Reflektoren an Straßenrändern zu sorgen; gegebenenfalls unter finanzieller Beteiligung durch die Revierbesitzer, die davon durch den Schutz ihres Wildes profitieren. (Auto-Reporter.NET/sr)

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