Autonomes Fahren – Noch lange Vision oder bald Realität?

22. September 2013


Exakt 125 Jahre nach der ersten automobilen Fernfahrt durch Bertha Benz von Mannheim nach Pforzheim hat im August das Mercedes Forschungsfahrzeug S 500 „Intelligent Drive“ die 103 Kilometer nachgefahren. Wäre keine Meldung wert, wenn das Auto diese Überlandroute mit Stadtverkehr u.a. in Heidelberg, Ampeln, Kreisverkehren, Fußgängern, Radfahrern und Baustellen nicht „autonom“ – also, ohne dass der Fahrer das Lenkrad berührt und Gas- und Bremspedal benutzt – zurückgelegt hätte. Ein Meilenstein auf dem Weg vom selbst bewegten zum selbständig fahrenden Auto. Verständlich, dass Dr. Thomas Weber, bei Daimler verantwortlich für die Konzern-Forschung und die Mercedes Fahrzeug-Entwicklung, stolz auf die Leistung seines Teams ist. Doch ist damit die Vision vom autonomen Fahren schon Realität. Nein, wie auch Thomas Weber offensiv erklärt: „Wir arbeiten intensiv an der Vision zum unfallfreien Fahren, haben in der S-Klasse zum Beispiel mehr als 20 Fahrer-Assistenzsysteme bis hin zum autonomen Fahren im Stau verbaut und werden die technische Umsetzung bis hin zum vollständigen autonomen Fahren vorantreiben. Doch wir lassen uns nicht unter irgendeinen Zeitdruck setzen. Dennoch bin ich persönlich davon überzeugt, dass wir bereits in den nächsten Jahren bei der Entwicklung von weiteren autonomen Fahrfunktionen noch große, positive Überraschungen in puncto Effizienz und neuartiger Mobilität erleben werden und das wir noch in dieser Dekade in einem Mercedes autonom fahren können.“„Zumindest“, so Thomas Weber weiter“, was die Technik betrifft, denn wir werden weitere Fortschritte bei den Radar-, Stereokamera- und Ultraschall-Sensoren und deren Vernetzung machen und werden die dann notwendige Rechnerleistung erhöhen können. Doch um die Akzeptanz in der Gesellschaft für das automatisierte Fahren zu erlangen, brauchen wir neben der Technik- und Technologiediskussion einen Dialog mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Ganz zu schweigen von den gesetzgeberischen und versicherungstechnischen Änderungen, die bis zu einer Straßenzulassung notwendig sind.“Dabei will die 1988 gegründete „Daimler und Benz-Stiftung“ helfen, die in ihrem Projekt ‚VillaLadenburg‘ die wissenschaftliche Betrachtung der gesellschaftlichen Auswirkungen rund um das autonome Fahren unterstützt. Mit rund 1,5 Millionen Euro fördert die Stiftung zwei Jahre lang Wissenschaftler, die sich mit diesem Thema intensiv auseinandersetzen. Ein Kernteam von vier Spezialisten wird dabei von über 20 externen Experten unterstützt.Hauptaufgabe: Möglichst alle Fragen und auch ein paar Antworten zu finden, die in einem späteren Dialog auftauchen werden bzw. können. Wird es Akzeptanzprobleme innerhalb der Gesellschaft geben? Wie sehen sie aus und können sie ausgeräumt werden? Könnten in einer fortgeschrittenen Phase noch unerwartete Hemmnisse auftreten? Wenn ja, an welchen Stellen? Wo besteht spezieller Aufklärungsbedarf? Wer trägt die Verantwortung beim Fahren, wer bei Unfällen? Welche juristischen Fragen ergeben sich daraus? sind nur eine kleine Auswahl der Fragestellungen.Am Ende des zweijährigen Förderzeitraums werden diese Spezialisten ein Weißbuch zur ganzheitlichen Betrachtung des autonomen Fahrens vorlegen – als Angebot für eine Wissensbasis für Wirtschaft, Politik und Forschung für tiefgreifende und sicherlich auch sehr langwierige Diskussionen. Mit spannenden Einzelfragen. Nur ein Beispiel: Wie lässt sich die Sicherheit, die für eine hoch zuverlässige und intelligente Technik benötigt wird, überhaupt nachweisen? Bei der Vorstellung des Projekts „Villa Ladenburg“ waren sich zumindest alle anwesenden Experten einig, dass der Diskurs über die Risiken ganz wichtig sei. Man aber gleichzeitig auch über die Chancen des autonomen Fahrens diskutieren müsse. Wobei allen klar war, dass der Weg vom autonomen Einzelfahrzeug bis hin zum autonomen Massenverkehr und damit zum im Prinzip unfallfreien Fahren selbst unter günstigsten Bedingungen noch jahrzehntelang dauern wird. (Auto-Reporter.NET/ Hans H. Grassmann)
   

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