Begleitetes Fahren ab 17: Wer länger übt, fährt sicherer

1. August 2017

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Als besonders günstige und effektive
Verkehrssicherheitsmaßnahme hat sich in den vergangenen Jahren das
begleitete Fahren ab 17 Lebensjahren (‚BF 17‘) erwiesen. Seit dem
ersten Modellversuch 2004 gilt das Konzept als erfolgreiche Methode,
die Unfallhäufigkeit bei Fahranfängern zu reduzieren. Denn
unterschiedlichen Studien zufolge verschulden Jugendliche, die
zunächst in Begleitung eines Erwachsenen mit dem Autofahren
beginnen, zwischen 20 und 30 Prozent weniger Unfälle als andere
Fahranfänger mit Führerschein ab 18. Außerdem begehen die
Teilnehmer am BF 17 demnach um die 20 Prozent weniger
Verkehrsvergehen als diejenigen, die ab 18 allein mit dem Auto
unterwegs sein dürfen. Je länger die Teilnahme am begleiteten
Fahren, desto größer der Erfolg, heißt es auch vonseiten der
Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände.

Es waren denn auch die hohen Unfallzahlen, die zur Einführung der
Möglichkeit des begleiteten Fahrens ab 17 führten. Schließlich
erweisen sich die Jahre von 18 bis 24 bei jungen Menschen bis heute
als die risikoreichsten im Straßenverkehr. Nach den Daten des
Statistischen Bundesamts verunglückten im Jahr 2015 hierzulande
insgesamt 66.156 junge Männer und Frauen dieser Altersgruppe im
Straßenverkehr, 473 wurden getötet. Damit waren 16,7 Prozent aller
Verletzten und 13,7 Prozent aller Getöteten im Straßenverkehr im
Alter von 18 bis 24 Jahren, obwohl nur 7,7 Prozent der
Gesamtbevölkerung zu dieser Altersgruppe zählten. Angesichts der
Erfolgszahlen bei der Unfallverhütung übernahmen inzwischen alle
Bundesländer das begleitete Fahren als vorbeugende
Sicherheitsmaßnahme.

Jugendliche können sich sechs Monate vor Vollendung ihres 17.
Lebensjahrs in einer Fahrschule zur Ausbildung für den Führerschein
B oder BE anmelden. Außerdem haben sie einen Antrag bei der
zuständigen Fahrerlaubnisbehörde (Führerscheinstelle) ihrer
Kommune zu stellen. Dieser Antrag muss die Zustimmung der
Erziehungsberechtigten enthalten. In dem Antrag werden bereits die
Begleitpersonen namentlich aufgeführt. Diese Liste kann später
erweitert werden.

Nach der Fahrausbildung können die Jugendlichen die theoretische
Führerscheinprüfung frühestens drei Monate vor Vollendung des 17.
Lebensjahres ablegen. Die praktische Prüfung darf frühestens einen
Monat vor dem 17. Geburtstag absolviert werden. Nach bestandener
Prüfung bekommt der Fahranfänger zunächst eine Prüfbescheinigung
als ‚Führerscheinersatz‘ ausgestellt. Den richtigen
Scheckkartenführerschein gibt es erst ab 18. Die Prüfbescheinigung
gilt nur in Deutschland.

Danach kann es auch schon losgehen hinterm Steuer, allerdings
immer nur mit einer der angegebenen Begleitpersonen daneben. Das
Mindestalter dieser Begleiter ist auf 30 Jahre festgesetzt. Außerdem
muss die begleitende Person seit fünf Jahren ununterbrochen über
eine Fahrerlaubnis der Klasse B verfügen und sie darf höchstens mit
einem Punkt in der Flensburger ‚Verkehrssünderkartei‘
registriert sein. Den Begleitpersonen ist es übrigens untersagt,
während der Fahrt aktiv einzugreifen - also auch kein
regulierender Griff an das oder ins Lenkrad. Und die Begleitperson
darf ebenfalls nicht alkoholisiert sein, sprich im Höchstfall einen
Blutalkoholgehalt von 0,5 Promille aufweisen.

Ganz wichtig: Die Versicherung des Autos, das der
Führerscheinneuling für begleitetes Fahren benutzt, muss davon
unterrichtet werden. Sonst kann es im Schadensfall Probleme geben,
wenn etwa im Versicherungsvertrag nur bestimmte Personen als Fahrer
festgelegt sind. Da viele Kfz-Versicherer das BF 17 als Maßnahme zur
Senkung des Unfallrisikos bei Fahranfängern unterstützen, kann das
begleitete Fahren ohne Aufpreis mitversichert werden. Dann können
die Jugendlichen den Versicherungsschutz auch nach dem 18. Geburtstag
weiter in Anspruch nehmen.

 

Zur Förderung des begleiteten Fahrens räumen manche
Versicherungen jungen Autofahrern mit Führerschein ab 17 auch
günstigere Tarife ein. Laut einer Erhebung des deutschen
Verkehrssicherheitsrats (DVR) gilt das ebenfalls, wenn die
Jugendlichen nach der begleiteten Fahrzeit ein eigenes Auto anmelden
wollen. Das wird dann auch oft billiger für die BF-17er.

Der Führerscheinersatz behält nach dem 18. Geburtstag des
Fahranfängers noch für weitere drei Monate die Gültigkeit. In
dieser Zeit muss die Bescheinigung dann jedoch gegen die richtige
Fahrerlaubnis eingetauscht werden - wiederum bei der
Führerscheinstelle. (dpp-AutoReporter/wpr)

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