Betreutes Fahren: weniger Unfälle, teure Reparaturen

19. Juni 2017

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Assistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen sollen für
weniger Unfälle und mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen.
Unklar ist bislang aber, wie groß diese Effekte sind. Experten des
Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) haben
daher untersucht, wie sich die neue Technik tatsächlich auswirkt.

Ihrer Prognose zufolge werden die Entschädigungsleistungen der
Kfz-Versicherer bis 2035 im Vergleich zu 2015 durch die neuen Systeme
um sieben bis maximal 15 Prozent sinken. Im Bezugsjahr 2015 hatten
die Versicherer Schäden in Höhe von rund 22 Milliarden Euro
reguliert.

„Die neuen Systeme machen das Autofahren zwar sicherer, sie
verbreiten sich im Fahrzeugbestand aber nur langsam und machen
Reparaturen im Schadenfall teurer. Auf absehbare Zeit hat der
technologische Fortschritt also nur geringen Einfluss auf das
Schadengeschehen", sagt Bernhard Gause, Mitglied der
GDV-Geschäftsführung. Dabei sind neue Risiken wie Hacker-Angriffe
auf vernetzte Autos oder Software-Fehler in dieser Prognose noch gar
nicht berücksichtigt.

Für Pkw, auf die 2015 rund 90 Prozent der
Entschädigungsleistungen entfielen, wurden sechs Systeme analysiert
(Spurhaltesystem, Spurwechselassistent, Notbremsassistent, Park- und
Rangierassistent, Autobahnpilot, City-/Landstraßenpilot). Den
größten Effekt auf Kfz-Haftpflichtschäden haben demnach
Notbremsassistenten sowie Park- und Rangierassistenten, die bis 2035
jeweils zu Einsparungen von rund fünf bis zehn Prozent führen
könnten. Schäden am eigenen Auto werden am besten mit einem Park-
und Rangierassistenten vermieden, der nicht nur warnt, sondern das
Auto auch lenkt und bremst - ein solches System könnte bei den
Kaskoschäden bis 2035 Einsparungen von rund vier bis knapp acht
Prozent erreichen. Die Erkenntnisse der Studie:

1. Assistenzsysteme haben auf viele Schäden keinen Einfluss

Ein Autobahnpilot hilft gegen Autodiebe ebenso wenig wie eine
Einparkhilfe vor Steinschlag, Hagel oder Marderbissen schützt. Auch
der beste Notbremsassistent ändert nichts an den physikalischen
Gesetzen für den Bremsweg eines Autos.

2. Die neue Technik verhindert in der Praxis weniger Schäden als
in der Theorie

In Baustellenbereichen oder bei widriger Witterung können
Assistenzsysteme an Grenzen stoßen, zudem nutzen die Fahrer die
Systeme nicht durchgehend. Im realen Straßenverkehr werden daher
weniger Schäden verhindert, als es unter idealen Bedingungen möglich
wäre.

3. Die Systeme verbreiten sich langsam

Neue Assistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen werden für
Neuwagen angeboten und auch hier zunächst für wenige. Erst viele
Jahre nach der Markteinführung ist die neue Technik in nahezu allen
Fahrzeugen vorhanden.

4. Zusätzliche Technik macht Reparaturen teurer

Der Einbau weiterer Sensoren, von Radar und neuer Technik erhöht
im Schadenfall die Reparaturkosten. Ein Assistenzsystem macht etwa
den Austausch einer Windschutzscheibe um rund 30 Prozent teurer.
(dpp-AutoReporter/wpr)

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