Carlos Ghosn zur Kooperation mit Daimler: Synergien sind heute schon zwei Milliarden Euro wert

7. April 2010

„Nichts Großes in der Welt ist je ohne Leidenschaft vollbracht worden“, zitiert Carlos Ghosn, Vorstandsvorsitzender und CEO der Renault-Nissan Allianz, den deutschen Philosophen Georg Hegel, als er mit Daimler-Chef Dieter Zetsche heute in Brüssel die gemeinsame Kooperationsvereinbarung vorstellt. Heute führten die Renault-Nissan-Allianz und Daimler ihre Leidenschaft für großartige Autos zusammen, so Ghosn.

Der Stuttgarter Autobauer Daimler und die Renault-Nissan-Allianz haben sich auf eine umfassende strategische Kooperation verständigt. Beide Partner sollen von den verschiedenen festgezurrten Projekten profitieren. Darüber hinaus ist eine Überkreuzbeteiligung in Höhe von 3,1 Prozent vereinbart worden, bei der Daimler 3,1 Prozent neu ausgegebener Renault-Aktien und 3,1 Prozent vorhandener Nissan-Aktien erhält. Im Gegenzug gehen jeweils 1,55 Prozent der Daimler-Papiere an die Franzosen und die Japaner. Die Kooperation der Unternehmen sieht eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung der neuen smart- und Twingo-Generationen vor, zudem wollen Daimler, Renault und Nissan gemeinsam neue Motoren und Komponenten austauschen.

Für Ghosn ist diese Kooperation mit den Stuttgartern ein Ausdruck der Überzeugung seines Unternehmens, „wie sich die internationale Automobilindustrie entwickeln wird und entwickeln muss, um über lange Strecken nachhaltig und erfolgreich zu sein“. Man habe schon zu Beginn der Gespräche über eine Zusammenarbeit festgestellt, dass beide Seiten gleiche Visionen hätten. Sowohl Daimler als auch Renault-Nissan wollen eine „Zusammenarbeit in einer Tiefe und Transparenz“, die es beiden Organisationen möglich macht, ihre jeweiligen Stärken auszunutzen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

An einer Fusion hatten beide Seiten kein Interesse. Darin sei man sich einig, so Ghosn. Aber die strategische Zusammenarbeit stehe erst am Anfang. Man will weitere Synergien ermitteln. In den Bereichen einer gemeinsamen Produktion, bei einzelnen gemeinsamen Einkaufsaktivitäten, der gemeinsamen Entwicklung von Technologien im Bereich von E-Fahrzeugen und Batterien und bei sogenannten weichen Synergien will man weitere Vorteile heben. Für die Allianz macht sich die Kooperation laut Ghosn sofort bezahlt. Den gegenwärtigen Nettowert der Synergien beziffert er für seine Allianz mit mindestens zwei Milliarden Euro. Das gelte sowohl für die Chancen auf der Kosten- als auch auf der Einnahmenseite in den nächsten fünf Jahren.

Profitieren werden Nissan und Renault kurzfristig von den Projekten im Fahrzeugbau und Antriebsstrang. So sollen noch bessere Produkte zu niedrigeren Kosten möglich werden. Beispiele sind die gemeinsame Entwicklung der nächsten Generationen von smart und Renault Twingo oder die gemeinsame Nutzung der bestehenden Antriebsstränge von Renault, Infiniti und Daimler. So wird Renault-Nissan kleine Benzin- und Dieselmotoren an Daimler liefern, und Nissans Luxusmarke Infiniti auf Vier- und Sechszylinder von Daimler zurückgreifen. Geprüft wird auch, wie Infinity und Mercedes-Benz in Zukunft zusammenarbeiten können. Speziell im Bereichen von Komponenten, Modulen und bei der Ausnutzung der geografischen Präsenz des jeweiligen Partners will man noch mehr Nutzen aus der Kooperation ziehen.

Als einen „richtigen Schritt zur richtigen Zeit aus den richtigen Gründen“, bezeichnete Daimlers Vorstandsvorsitzender und Chef der Mercedes-Benz-Sparte, Dieter Zetsche, die Vereinbarung mit Renault-Nissan. Die zahlreichen Felder gemeinsamen Interesses, die Daimler und Renault-Nissan verbänden, seien eine „vielversprechende Grundlage für eine erfolgreiche, strategisch sinnvolle Kooperation“. Mit dieser Kooperation stärke Daimler schnell und nachhaltig seine Wettbewerbsfähigkeit im Klein- und Kompaktwagensegment.

Bei allem Streben der Kooperation nach Standardisierung von Komponenten, Skaleneffekten und niedrigeren Entwicklungskosten sollen dennoch beide Seiten ihre Marken- und Produktidentitäten beibehalten. Garantie dafür seien die markenspezifischen Technologiepakete, betonte Zetsche. (auto-reporter.net/Angelika Riedel)

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