Carsharing – trotz Zuwächsen auch künftig ein „urbanes Nischenphänomen“

22. Februar 2010

Die meisten Autos bei uns stehen die meiste Zeit des Tages ungenutzt herum. Das kostet nicht nur Platz, sondern auch Geld – denn die nicht unerheblichen Kosten für Steuer, Versicherungen und den Wertverlust summieren sich allmonatlich auf stolze dreistellige Beträge. Für alle, die wenig fahren, ist es da durchaus attraktiv, wenn statt nur einer Person mehrere ein Auto nutzen und die festen Kosten auf mehrere Schultern verteilen. Das ist der Grundgedanke hinter Carsharing. Mit einer kleinen Flotte nutzernah verfügbarer Autos lässt sich das im städtischen Bereich recht preiswert so organisieren, dass selbst bei spontanem Bedarf in aller Regel kurzfristig ein Fahrzeug verfügbar ist.

Nach den soeben für 2009 veröffentlichten Zahlen für das Carsharing in Deutschland scheint diese Art der Fahrzeugnutzung höchst attraktiv zu sein. Denn nach einem Zuwachs um 20 Prozent von 2007 auf 2008 ist die Zahl der Carsharing-Kunden trotz Wirtschaftskrise auch von 2008 auf 2009 zweistellig gestiegen und zwar um 15,3 Prozent, wie der Bundesverband CarSharing (bcs) jetzt mitteilte. In absoluten Zahlen heißt das, dass die Zahl der Carsharing-Berechtigten um 21.000 auf nunmehr 158.000 gestiegen ist, die sich statt 3.900 Fahrzeugen Anfang 2009 zum Jahresbeginn 2010 nun 4.600 Fahrzeuge teilen, die von rund 110 CarSharing-Anbietern an 2.200 Stationen im Lande angeboten werden.

So bedeutsam die prozentualen Zuwächse beim Carsharing auch auf den ersten Blick erscheinen – gemessen am Fahrzeugbestand im Lande sind sie eine überhaupt nicht ins Gewicht fallende Größe. Denn bei nach neuesten Angaben 41,7 Millionen in Deutschland zugelassenen Personenwagen machen 4.600 Fahrzeuge gerade einmal 0,011 Prozent aus – was so viel heißt, dass gerade einmal eines von 10.000 Fahrzeugen ein Carsharing-Auto ist. Für die Statistik ist das eine absolut zu vernachlässigende Größe, was selbst dann gelten würde, wenn sich die Zahl der Nutzer verhundertfachte und aus 4.600 dann 460.000 Carsharing-Fahrzeuge würden, was allerdings ein absolut utopischer Zuwachs ist.

Denn realistisch ist nach einer soeben von der Unternehmensberatung Frost & Sullivan veröffentlichten Studie über die Entwicklung des Carsharings in Europa für Deutschland bis 2016 ein möglicher Zuwachs der Carsharing-Fahrzeuge auf 19.000 mit dann 1,1 Millionen Nutzern. Für Gesamteuropa prognostiziert die Unternehmensberatung bis zu 77.000 Fahrzeuge mit 5,5 Millionen Nutzern.

Damit bleibt Carsharing trotz zweistelliger prozentualer Zuwächse in Deutschland mit 0,045 Prozent der insgesamt zugelassenen Personenwagen auch in Zukunft ein „urbanes Nischenphänomen“. Auch wenn es dem einzelnen Nutzer durchaus messbare Vorteile bringt, ist es damit gesamtgesellschaftlich zumindest vorerst eine Randerscheinung. Und auch die durch Carsharing erreichte Entlastung des Verkehrsraums sowie die Energieeinsparung und damit mögliche CO2-Entlastung bleiben absolut unauffällige Größen. (auto-reporter.net/Ingo von Dahlern)

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