DVR mahnt verantwortungsvollen Cannabis-Umgang an

29. November 2017

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Seit März 2017 können sich Patientinnen und Patienten
Cannabisblüten und daraus hergestellte Extrakte auf
Betäubungsmittelrezept vom Arzt verschreiben lassen. Grundsätzlich
dürfen diese Personen am Straßenverkehr teilnehmen, soweit sie nach
Aufnahme der cannabisbasierten Medikamente noch in der Lage sind, ein
Fahrzeug im Straßenverkehr sicher zu führen. Treten allerdings
während der Fahrt Ausfallerscheinungen auf, die auf die Einwirkung
dieser Medikamente zurückzuführen sind, drohen strafrechtliche
Konsequenzen.

 

„Besonders in der Einstellungs- und Eingewöhnungsphase kann die
Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt werden", erläutert Jacqueline
Lacroix vom DVR (Deutscher Verkehrssicherheitsrat). Auch eine zu hohe
Dosierung oder die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten,
einschließlich selbst geringer Mengen an Alkohol, könnten zu
Problemen führen. „Dabei ist zu beachten, dass verschiedene
Drogenmaterialien angeboten werden, die sich in ihren Inhaltsstoffen
zum Teil erheblich unterscheiden. Dabei geht es vor allem um den
Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC), das zu rund 20 Prozent in
medizinischen Cannabisblüten enthalten ist, oder Cannabidiol"
ergänzt die Expertin.

 

Die Wirkstoffe der Cannabisblüten können durch Inhalation oder
oral aufgenommen werden, zum Beispiel als Tee oder Gebäck. Eine
optimale Verordnung bedarf daher spezieller medizinischer Expertise.
„Die Ärzte, die medizinisches Cannabis verordnen, müssen ihre
Patienten über die möglichen Beeinträchtigungen bei der Teilnahme
am Straßenverkehr aufklären. Insbesondere sollten sie zu Beginn der
Therapie vom Führen eines Fahrzeuges abraten, und zwar so lange, bis
die unerwünschten Nebenwirkungen nicht mehr auftreten und sie trotz
Krankheit fahrsicher sind", empfiehlt Lacroix.

 

Darüber hinaus müssten aber auch die Patienten selbst ihre
Fahrtüchtigkeit im Auge behalten und im Zweifelsfall auf das Fahren
verzichten. „Sie werden im Straßenverkehr genauso behandelt wie
andere Patienten, die unter einer Dauermedikation stehen, die zum
Beispiel ein psychoaktives Arzneimittel verordnet bekommen haben",
erklärt Lacroix.

 

Problematisch ist, dass Cannabisblüten, die lose von den
Apotheken auf Rezept abgegeben werden, über keinen Beipackzettel
verfügen und von den Patienten selbst in Kleinstmengen, zum Teil bis
unter 0,1 Gramm, dosiert werden müssen. Das Rezept muss daher
eindeutige Angaben zum Drogenmaterial, zur Darreichungsform und zu
den Einzel- und Tagesdosen enthalten.

 

„Von den Cannabispatienten wird ein hohes Maß an
Zuverlässigkeit und Verantwortlichkeit im Umgang mit der Medikation
und bei Auftreten von Nebenwirkungen erwartet", sagt Lacroix. Wenn
das THC im Blut aus einer bestimmungsgemäßen Einnahme eines für
den konkreten Krankheitsfall verschriebenen cannabisbasierten
Arzneimittels herrührt und die Einnahme die Fahrtüchtigkeit nicht
beeinträchtigt, kommt es nicht zu Sanktionierungen gemäß dem
Straßenverkehrsgesetz (StVG). Bei missbräuchlicher Einnahme
derartiger Arzneimittel droht hingegen nicht nur eine Sanktionierung
nach dem StVG, sondern zusätzlich der Verlust der Fahrerlaubnis.
Patienten sollten deshalb eine ärztliche Bescheinigung über ihre
Therapie mit cannabisbasierten Medikamenten oder eine Kopie des
aktuellen Rezeptes über medizinisches Cannabis mit sich führen.

 

„Es ist nicht einfach, zu bestimmen, welchen Einfluss der
Gebrauch von medizinischem Cannabis auf das Fahrvermögen hat",
fasst Lacroix das Problem zusammen. Die im Blut festgestellte
THC-Konzentration entspreche oft nur zu einem geringen Grad der
messbaren Beeinflussung. Auch lasse die THC-Konzentration im Blut
keine sicheren Rückschlüsse auf die Menge an THC zu, die
tatsächlich geraucht oder eingenommen wurde. Die Polizei sollte
zudem bei einem Anfangsverdacht in Betracht ziehen, dass der Fahrer
Cannabis auch wegen einer medizinisch-indizierten Medikation
eingenommen haben könnte. Zu prüfen wäre dann, ob Anhaltspunkte
für eine nicht bestimmungsgemäße Einnahme vorliegen.
(dpp-AutoReporter/wpr)

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