Eiji Toyoda im Alter von 100 Jahren verstorben

18. September 2013


Eiji Toyoda ist tot. Er erlag im Alter von 100 Jahren im Toyota Memoria Hospital von Toyota City an den Folgen eines Herzinfarkts. Damit ist einer der ganz Großen der weltweiten Automobil-Geschichte von uns gegangen. Mindestens vergleichbar mit Henry Ford oder Soichiro Honda. Denn dass Toyota heute automobiler Weltmarkführer ist, hat es ihm zu verdanken, weil er die Grundlagen dazu legte und sich selbst im hohen Alter keinen Neuerungen verschloss.In 1937 trat der Neffe des Firmengründers Sakichi Toyota als Ingenieur in das Unternehmen ein und entwickelte nach dem zweiten Weltkrieg als Direktor maßgeblich das damals revolutionäre Toyota-Produktionssystem sowie die Kaizen-Philosophie. 1967 wurde er schließlich zum Präsidenten der Toyota Motor Company ernannt und 1982 – nach dem Zusammenschluss der bis dahin unabhängigen Produktions- und Marketing-Organisationen zur heutigen Toyota Motor Corporation der erste Chairman, ehe er sich aus Altersgründen 1992 zurückzog. Doch sieben weitere Jahre übte er das Amt des Honorary Chairman aus, was bei uns kaum bekannt ist, aber in Japan einen hohen Stellenwert hat.Doch das sind Daten für die Statistik. Sagen nur vordergründig etwas über den Menschen Eiji Toyoda aus, der nach dem zweiten Weltkrieg quasi aus dem Nichts ein Imperium aufbaute. Natürlich auch mit Rückschlägen und sicherlich auch nicht immer zufrieden mit dem, was seine Nachfolger alles so ausprobierten, ehe sie vor wenigen Jahren wieder in die Erfolgsspur fanden. Doch dazu muss man auch den Menschen Eiji Toyota ein ganz, ganz kleines bisschen kennengelernt haben – ganz einfach nur, um vor ihm aufgrund seiner Lebensleistung den Hut zu ziehen.Diese persönlichen Erfahrungen beruhen nicht auf seinem Deutschland-Besuch anlässlich der Einweihung der Kölner Zentrale in 1979 oder einigen anderen Stippvisiten inclusive einzelner Händlerbesuche, sondern zwei kurzen Begegnungen in Toyota-City und einer dreitägigen Begleitung anlässlich der 100 Jahre-Automobil-Feier in Stuttgart. Obwohl wir uns aus Toyota City – so meinte ich zumindest – flüchtig kannten, erfolgte der Empfang am Flughafen und die Eisenbahnfahrt von Köln nach Stuttgart noch in gebührender Distanz.Das änderte sich, als er plötzlich meinte, auf eventuelle Interview-Fragen vorbereitt sein müssen (was – sehr ungewöhnlich für die damalige Zeit – die japanischen Kollegen wohl nicht gemacht hatten.) Auf Band in Englisch vorgesprochen hatte er in ca 30 Minuten  die Fragen und Antworten im Kopf und seitdem war ich im wirklich „inneren Zirkel“.Was sich für mich persönlich lohnen sollte. Denn nach der unsäglich langen Veranstaltung zog sich der kleine Kreis zu einem Nach-Mitternachts-Abendessen zurück, wo Eiji Toyota ganz freimütig und sogar – für die damaligen Verhältnisse noch keineswegs selbstverständlich – in recht gutem Englisch aus seinem Leben erzählte, was ihn dazu veranlasste, Toyota zu dem zu machen, was es auch damals schon war. Interna sollen hier nicht ausgepackt werden, doch der Lebensweg war beeindruckend, ja auch bedrückend. Und ich werde diese drei Tage nicht vergessen. Leb Wohl – Toyoda-san (Auto-Reporter.NET/Hans H. Grassmann)

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