Einer nach dem Anderen: Reißverschlussverfahren im Straßenverkehr

16. November 2017

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Wenn die Straße enger wird, kommt oft das Reißverschlussverfahren
zur Anwendung: Diese einfache Methode trägt maßgeblich dazu bei,
den Verkehrsfluss zu erhalten. Doch was in der Theorie gut gemeint
ist, führt in der Praxis immer wieder zu Konflikten. Ob Baustelle,
Unfall oder Ende einer Ausbaustrecke: das Reißverschlussverfahren
ist auf Straßen mit mehreren Fahrstreifen immer dann angesagt, wenn
ein Fahrstreifen nicht durchgängig befahren werden kann oder ganz
endet. Laut § 7 Absatz 4 der Straßenverkehrsordnung ist „den am
Weiterfahren gehinderten Fahrzeugen der Übergang auf den
benachbarten Fahrstreifen" zwingend zu ermöglichen - und zwar
so, dass sie sich jeweils im Wechsel nach einem Fahrzeug einordnen
können, das auf dem durchgehenden Fahrstreifen fährt.

In der Praxis entzünden sich Konflikte immer wieder daran, an
welcher Stelle die Fahrzeuge der endenden Fahrspur am besten
einfädeln. Aber auch dies hat der Gesetzgeber klar geregelt: So
sollen sich die Fahrzeuge „unmittelbar vor Beginn der Verengung"
einordnen können.

Tatsächlich wechseln viele Autofahrer schon weit vorher auf den
durchgehenden Fahrstreifen. „Natürlich dürfen sich Fahrzeuge
schon davor einfädeln, aber das ist wenig sinnvoll", sagt Luigi
Ancona, Unfallexperte bei DEKRA. „Dabei wird viel Platz verschenkt
und je nach Verkehrsaufkommen kann ein Rückstau entstehen oder sich
verlängern." Autofahrer sollten wissen, dass sie nur direkt vor
der Verengung Anspruch aufs Einfädeln haben, weil das
Reißverschlussverfahren nur hier greift. „Der Fahrstreifen, der
endet, soll und kann bis zum Schluss ausgenutzt werden. Autofahrer,
die bis zum Hindernis vorfahren, verhalten sich also korrekt",
betont der Experte.

Allerdings sollte man, wenn das Ende der eigenen Fahrspur absehbar
ist, seine Geschwindigkeit an die der Fahrzeuge des durchgehenden
Fahrstreifens anpassen, um ein flüssiges Einfädeln zu ermöglichen.
Autofahrer sollten nicht nur den Blinker setzen, sondern auch darauf
achten, ob der (hoffentlich intelligente) Fahrer nebenan genügend
Platz zum Wechseln der Fahrspur lässt, und sich gegebenenfalls per
Blickkontakt verständigen.

Oft hilft es auch, schon im Vorfeld versetzt zu den Fahrzeugen auf
dem durchgehenden Fahrstreifen zu fahren, um deutlich zu machen, in
welche Lücke man einfädeln möchte.

Auch bei der Zusammenführung von Fahrspuren hilft außerdem der
Sicherheitsabstand zum Vorausfahrenden. Vor allem bei höheren
Geschwindigkeiten ist das wichtig, damit ein Anhalten möglich ist,
wenn das vorausfahrende Fahrzeug plötzlich bremst.

Und: Keine Regel ohne Ausnahme. Das Reißverschlussverfahren gilt
nicht immer, wenn ein Fahrstreifen endet: Zum Beispiel nicht auf dem
Einfädelungsstreifen an Autobahnauffahrten. Hier gilt § 18 Absatz 3
der Straßenverkehrsordnung, wonach der Verkehr auf der durchgehenden
Fahrbahn Vorfahrt hat. Der Einfädelnde hat wegen der erheblichen
Tempodifferenzen dort keinen Anspruch, dass ihm die Fahrzeuge
auf der Autobahn Platz machen, sondern muss eine entsprechende Lücke
abwarten. (dpp-AutoReporter/wpr)

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