Erste Hilfe nach Unfall: Engagieren statt gaffen

23. August 2017

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Seit der Fahrschule ist bei vielen Autofahrern schon einige bis
viel Zeit vergangen, in der die Erinnerungen an die erforderlichen
Erste Hilfe-Maßnahmen an einem Unfallort meist verblasst sind.
Kommen diese Verkehrsteilnehmer an einen Unfallort und sollen ihre
Aufgabe als Helfer erfüllen, fühlen sie sich vielfach überfordert.
Das entbindet sie jedoch nicht von ihrer gesetzlichen Pflicht (!) zur
Hilfeleistung. Und auch wenn man sich nicht sicher ist, was ein
Helfer an einem Unfallort tun und wie er oder sie möglichen
Verletzten am besten helfen sollte, verlangt der Gesetzgeber, Hilfe
zu leisten. Andernfalls macht man sich der Unterlassenen
Hilfeleistung (§ 323c StGB) strafbar: ‚Wer bei Unglücksfällen
oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies
erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne
erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger
Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr
oder mit Geldstrafe bestraft." Um aus dieser Verpflichtung
entlassen zu sein, bedarf es schon sehr, sehr guter
Entschuldigungsgründe. Mit dringenden Geschäftsterminen o. ä.
braucht da niemand zu kommen.

Auch die Befürchtung, für eventuelle Fehler bei der Erste
Hilfe-Leistung haftbar gemacht werden zu können, entbindet nicht von
der Pflicht, zu helfen. Zumal Helfer am Unfallort grundsätzlich
gegen alle denkbaren Schäden versichert sind. Das gilt auch für den
Fall, dass ein Ersthelfer einem Verletzten schadet - es sei denn,
es liegt grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz vor. Ansonsten besteht
der größte und einzige Fehler, den Unfallzeugen begehen können,
darin, nichts zu tun. Und für diese Tatenlosigkeit können sie zur
Rechenschaft gezogen werden. Allerdings muss sich auch niemand selbst
in Gefahr bringen, um seiner Verpflichtung zur Hilfeleistung
nachzukommen.

Wie sollte man also vorgehen, wenn man als Erster an einem
Unfallort eintrifft und als Helfer gefordert ist? Zunächst wird das
eigene Fahrzeug Auto mit einem Sicherheitsabstand von mindestens vier
Wagenlängen zum Unfallort abgestellt - mit eingeschalteter
Warnblinkanlage. Um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen, legt der
Helfer am besten seine Warnweste an, bevor er den Unfallort
absichert. Hierzu gehört auch, ein Warndreieck aufzustellen: auf
Landstraßen in mindestens 100 Metern Entfernung zum Unfallort und
auf Autobahnen wenigstens 200 Meter vor diesem. Dabei sollten die
Helfer - insbesondere auf der Autobahn - zur eigenen Sicherheit
die Fahrbahn nicht betreten. Auch das Warndreieck platziert man so,
dass es nicht umgefahren wird. Bei Unfällen auf Autobahnen sollten
Helfer - zur eigenen Sicherheit - alle Wege so weit möglich
hinter der Leitplanke zurücklegen.

Selbstverständlich müssen Unfallzeugen schnellstmöglich die
Polizei und gegebenenfalls die Rettungsdienste informieren. Bis zu
deren Eintreffen obliegt es den Ersthelfern, sich um Verletzte zu
kümmern. In dieser Situation zahlt es sich dann aus, wenn man nach
der Führerscheinprüfung in regelmäßigen Abständen sein Erste
Hilfe-Wissen wieder aufgefrischt hat - so wie es Rettungsfachleute
immer wieder empfehlen.

Ganz wichtig bei der Ersthilfe ist es, zu kontrollieren, ob der
Verletzte bei Bewusstsein ist und ob er atmet. Ist Letzteres nicht
der Fall, müssen Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet werden:
Herz-Druck-Massage und Beatmung. Wenn der Verletzte atmet bzw. wieder
atmet, wird er in die stabile Seitenlage gebracht. Und selbst an
warmen Tagen sollte man ihn vor Unterkühlung schützen. Darüber
hinaus helfen jedem Verunglückten grundsätzlich beruhigende und
tröstende Worte sowie das Bewusstsein, in der Unfall-Situation nicht
alleingelassen zu sein.

Stattdessen erleben Polizei und Rettungsdienste immer öfter, dass
Verkehrsteilnehmer an Unfallorten vorbeifahren, ohne anzuhalten und
sich zu kümmern, sondern vielfach Handyfotos aufnehmen oder als
Gaffer sogar die Rettungskräfte bei ihrem Einsatz behindern. Diesen
Menschen legen die professionellen Helfer nahe, sich nicht nur auf
ihre gesetzliche Pflicht zur Hilfeleistung zu besinnen, sondern auch
daran zu denken, dass sie als Unfallopfer selbst einmal auf die
Hilfsbereitschaft anderer angewiesen sein könnten.
(dpp-AutoReporter/wpr)

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