Fahrgemeinschaften: Mitfahrer sind versichert

6. Dezember 2017

Picture

Gerade ist die 23. Weltklimakonferenz in Bonn zu Ende gegangen. Zu
den immer wieder vorgetragenen Klimaschutzstrategien, um die
Belastung mit Emissionen im Verkehrsbereich zu senken, gehören
Fahrgemeinschaften. Denn wenn öfter mehrere Personen denselben Weg
zur und von der Arbeit in einem statt in mehreren Autos zurücklegen
würden, wäre dies ein sinnvoller Beitrag zum Klimaschutz. Darüber
hinaus haben Fahrgemeinschaften auch den Charme, die Kasse der
Beteiligten zu schonen. Allerdings sind manche Menschen
Fahrgemeinschaften gegenüber skeptisch eingestellt, weil sie
unsicher sind, wie bei einem Unfall Fragen der Versicherung und der
Haftung geregelt sind.

Dazu gilt grundsätzlich, dass in einem solchen Fall die
Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers die entstandenen
Personen-, Sach- und Vermögensschäden reguliert. Darunter fallen
auch mögliche Schmerzensgelder. Trifft den Fahrer der
Fahrgemeinschaft die Schuld an dem Unfall, können die Bei- und
Mitfahrer Schadenersatzansprüche gegen seine
Kfz-Haftpflichtversicherung geltend machen. Die mitfahrenden Personen
sind also immer abgesichert. Der Fahrer selbst bekommt dagegen keine
Leistungen von der Haftpflichtversicherung.

Abgesehen davon sind Arbeitnehmer auf dem Weg zur und von der
Arbeit grundsätzlich über den Arbeitgeber versichert. Das gilt auch
bei Umwegen, die eine Fahrgemeinschaft schon mal fahren muss, um alle
Mitfahrer einzusammeln. Wie vom Gesetzgeber bestimmt, ist bei allen
Unfällen, die sich auf dem Weg zur Arbeit und nach Hause ereignen,
neben der Kfz-Versicherung die gesetzliche Unfallversicherung
gefordert. Sie kommt für Kosten auf wie die von Heilbehandlungen,
Berufshilfe, Sterbegeld, Verletzten- und Hinterbliebenenrenten. Die
gesetzliche Unfallversicherung zahlt jedoch nicht für Sachschäden
und auch kein Schmerzensgeld.

Die Regelungen der Unfallversicherung greifen auch bei
Fahrgemeinschaften. Darüber sind - unabhängig von der
Kfz-Haftpflicht - alle Personenschäden abgedeckt, die sich auf dem
Weg von und zur Arbeit ereignen: die sogenannten Wegeunfälle. Jedoch
sollte immer der direkte Weg zum und vom Arbeitsplatz genommen
werden, das ist eine wichtige Voraussetzung bei der gesetzlichen
Unfallversicherung. Dazu zählen allerdings auch die (Um-)Wege, die
zum Abholen von Mitfahrern zurückgelegt werden.

In Fällen, in denen der Fahrer der Fahrgemeinschaft den Unfall
zwar verursachte, er daran aber dennoch nicht schuld ist, wie etwa
bei einem geplatzten Reifen oder einem Herzinfarkt am Steuer, zahlt
seit der Reform des Schadenersatzrechts im Jahr 2002 ebenfalls die
eigene Haftpflichtversicherung. Sie kommt übrigens ebenfalls für
alle Schäden auf, die Familienangehörigen der Insassen durch einen
Unfall widerfahren. Auch ein Versicherungsnehmer, der als Beifahrer
bei einem Unfall verletzt wird, kann für einen eigenen
Personenschaden von seiner eigenen Kfz-Haftpflichtversicherung
Schadenersatz fordern.

Um zu verhindern, dass bei schweren Unfällen die vereinbarte
Deckungssumme überschritten wird, ist es empfehlenswert, eine
unbegrenzte Deckung abzuschließen. Ferner sollten Bei- und Mitfahrer
eine Haftungsbeschränkungserklärung unterzeichnen. Haftung für
grobe Fahrlässigkeit bei Personenschäden kann nur ausdrücklich
durch eine individuelle handschriftliche Vereinbarung ausgeschlossen
werden. (dpp-AutoReporter/wpr)

{ 0 comments… add one now }

Leave a Comment

Previous post:

Next post: