Fassadentor Einfamilienhaus: „Tapete im Stadtbild“

26. September 2013


Nicht immer sind sich Bauherr und Planer in Sachen Architektur einig. Ein Bauherr, der sehr genau weiß was er will, zumal einer, der selbst kreativ tätig ist, kann da schon mal auf taube Ohren stoßen. Mitunter aber finden sich zwei freie Geister zu einem funktionierenden Team zusammen und liefern dann ein besonderes Ergebnis ab.Der Bauherr dieses Einfamilienhauses im Raum Karlsruhe ist gelernter Werbetechniker und hat als solcher zahlreiche Grafiken und Gemälde erstellt. Er darf zudem getrost als Pionier auf dem Gebiet der digital bedruckten Tapete gelten; einige seiner Entwürfe haben es bis ins Bundespräsidialamt geschafft. Diese Form der Raumgestaltung bildet inzwischen auch den beruflichen Schwerpunkt des Bauherren, so dass irgendwann die Idee entstand, die Fassade des eigenen Hauses zu nutzen, um die Mannigfaltigkeit jener Technik weithin sichtbar zu präsentieren, als gebaute Visitenkarte sozusagen. Gebäude und Fassade durften polarisieren und ruhig ein wenig provozieren und Spaziergängern Reaktionen entlocken. Über ein „Was soll das denn?!“ oder ein Schmunzeln freut sich der Bauherr heute noch wie über die fantasievollen Bezeichnungen, die das „Giraffenhaus“ seit seiner Entstehung kontinuierlich einsammelt.Der Architekt Ralf Seeburger, der in Deutschland und in den USA studiert und gearbeitet hat, war ganz offensichtlich genau der Richtige, um die Vorstellungen und Wünsche des Werbefachmannes gebaute Realität werden zu lassen. Er setzte den Wunsch seiner Bauherrenschaft nach einem Einfamilienhaus mit kleinem Arbeitsbereich um, indem er das Raumprogramm in einen Grundkubus sowie diesen erweiternde, auskragende Gebäudeteile schrieb. Der Kernbau wurde verputzt, die aus ihm ausbrechenden Volumen erhielten ihre spektakuläre Fassadengestaltung. Zur Straße sowie zur recht bürgerlichen Nachbarbebauung hin zeigt sich das Haus geschlossen, während es sich zum Garten hin weit öffnet. Auch im Inneren dominieren räumliche Großzügigkeit und Offenheit um eine zentrale rote Treppe herum, die wie ein Möbel wirkt. Hinsichtlich Materialwahl und Ausstattung setzten Architekt und Bauherr auf einen unprätentiösen Minimalismus, welcher der Familie genug Raum lässt, das selbst mitgestaltete Haus mit eigenem Leben zu erfüllen. Eingefärbte Estriche, mit Latexfarben bestrichene Putze und die lediglich betonhydrophobierten Untersichten der Filigrandecke mit offenen Fugen verleihen dieser Freiheit Ausdruck.Bei der Frage, wie dem so entworfenen und konstruierten Baukörper das Fassadenkleid übergeworfen werden könne, besann sich der Bauherr auf sein berufliches Schaffen: wie eine „bedruckte Tapete“ sollte es sein. Man entschied sich für Dibond-Platten als Trägermaterial. Hierbei handelt es sich um ein leichtes, dreischichtiges Aluminiumverbundmaterial mit einem Kunststoffkern, das im Display-Bereich weit verbreitet ist. Dieses wurde dann mit einer gegossenen und digital bedruckten Folie beklebt, die das Dessin trägt. Diese Technik, die auch bei Autobeschriftungen verwendet wird, wird nicht nur vom Bauherren ohnehin beherrscht, sie beinhaltet einen weiteren Clou, der allen sehr wichtig war: Bei Bedarf können die Platten innerhalb von zwei Tagen demontiert und neu foliert werden – und das Haus würde sein Erscheinungsbild vollständig ändern.Die Idee von den kubischen Baukörpern mit dem leichten, variablen Fassadenkleid setzte voraus, dass die Außenflächen des Gebäudes möglichst wenig unterbrochen würden. Aus diesem Grund kam für die weit in den Straßenraum hineinreichende Garage kein  Sectionaltor mit sichtbarer Laibung in Betracht. Eine Laibung, so der Architekt, hätte „den Eindruck zweier geschlossener Quader zerstört“. Man entschied sich deshalb für ein modifiziertes Industrietor von Hörmann, das bauseitig beplankt werden kann. Dabei ist es fast unerheblich, welches Material auf die Konstruktion aufgebracht wird. So lange man die Maximalgewichte einhält. Aufgrund dieser enormen Variabilität können Planer auf unterschiedlichste gegebene Rastermaße reagieren und Bauherren ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Der besondere Nutzen für das  Einfamilienhaus bestand insbesondere in der Möglichkeit, das elektromotorisch betriebene Tor flächenbündig in die Gebäudehülle zu integrieren und so die Grafik der Fassade auch in diesem Bereich lückenlos fortschreiben zu können. Bauherr und Architekt zeigen sich auch retrospektiv von dieser Technik überzeugt, „das hat von Anfang an gepasst“. Und die nachbarlichen Spaziergänger dürften auf den nächsten 'Tapetenwechsel' gespannt sein. (Auto-Reporter.NET)

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