Gesetzliche Unfallversicherung: Wenn’s auf dem Nachhauseweg kracht

10. November 2012


Erleidet eine „versicherte Person“ auf einem „versicherten Weg“ einen Unfall, so spricht man von einem „Wege-Unfall“. Unter „Weg“ ist nicht nur die Strecke nach und von dem Ort der Tätigkeit anzusehen; auch Abweichungen (Umwege) sind unfallgeschützt, wenn dies „beruflich veranlasst“ war, etwa zum Auftanken des Wagens. Eine ganze Reihe von Urteilen der Sozialgerichte befasst sich mit diesem Teilproblem. Wann werden Unfälle auf einem Umweg entschädigt?Wege- oder Arbeitsunfall?Üblicherweise beginnt der Weg zur Arbeit mit dem Verlassen „der Außentür des Gebäudes, in dem die versicherte Person wohnt“. Er endet mit dem Betreten des Betriebsgeländes, wo es dann allenfalls einen „Arbeitsunfall“ geben kann, was leistungsrechtlich natürlich keinen Unterschied macht. Es muss nicht unbedingt der kürzeste Weg zur oder von der Arbeitsstelle genommen, es können stattdessen die verkehrsgünstigsten Straßen gewählt werden. Und ausnahmsweise kann auch der Weg von einem anderen Ort als der Wohnung zur Arbeitsstelle unfallversichert sein, wenn der nicht wesentlich länger ist als der übliche Arbeitsweg (zum Beispiel nach einer Übernachtung beim Freund oder der Freundin). Schließlich ist der Papa auch auf seinem Weg zur Arbeit gesetzlich weiterhin unfallversichert, wenn er einen Umweg macht, um seine Tochter zum Kindergarten oder seinen Sohn in die Schule zu bringen. Auf einem Weg nur zum Kindergarten oder der Schule wäre das nicht der Fall. Auf solchen Strecken stünde der gesetzliche Unfallversicherungsschutz nur für den Nachwuchs.Auf AbwegenNicht in den Versicherungsschutz einbezogen sind Um- und Abwege, bei denen der Zusammenhang zwischen Arbeitsweg und Tätigkeit im Betrieb verlorengeht, und sei es nur vorübergehend. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Arbeitnehmer auf dem Weg vom Büro nach Hause für mehr als nur ein paar Minuten ein Geschäft aufsucht, um dort einzukaufen, oder eine Gaststätte, um dort zu essen. Nur bei sehr geringfügigen Unterbrechungen des Arbeitsweges, etwa bei einem kurzen Stopp an der Straße, um sich beim Fleischer Aufschnitt für das Abendessen zu kaufen, bleibt der Versicherungsschutz auch während der Unterbrechung bestehen. Dasselbe würde gelten, wenn ein Arbeitnehmer einem Kind über die Straße hilft. Der Versicherungsschutz lebt nur dann auf der restlichen Strecke nach Hause wieder auf, wenn die Unterbrechung des Arbeitsweges maximal zwei Stunden gedauert hat. Denn dann wäre, so die Sozialgerichte, eine „Lösung von der versicherten Tätigkeit“ eingetreten.FahrgemeinschaftenDie Zahl der Fahrgemeinschaften hat sich in den letzten Jahren – auch mit Blick auf die steigenden Kraftstoffpreise – stetig erhöht. Solche gemeinsamen Fahrten zur Arbeit sind ebenfalls in den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung einbezogen. Das gilt auch beim Abweichen vom normalen Arbeitsweg, wenn dabei ein Kollege von zu Hause abgeholt beziehungsweise wieder abgesetzt wird. Unerheblich ist auch, ob die Fahrgemeinschaft regelmäßig besteht oder nur gelegentlich gebildet wird. Ohne Belang ist außerdem, ob die Mitglieder einer Fahrgemeinschaft in bestimmten Zeitabständen den Wagen wechseln oder ob der Ausgleich der Benzin- und Betriebskosten auf andere Weise vorgenommen wird.Es versteht sich, dass auch Unfälle auf „Familienheimfahrten“ von der Berufsgenossenschaft zu entschädigen sind. Bedingung: Der Arbeitnehmer hat am Ort seiner Tätigkeit (oder in dessen Nähe) nur eine Unterkunft, „den Mittelpunkt des Lebensinteresses“ bildet aber die Familienwohnung.Wer leistet mehr?Die Frage könnte sein: Ist es nicht egal, ob ein Unfall auf einem Weg zur oder von der Arbeit passiert ist, ob also die für den Arbeitgeberbetrieb zuständige Berufsgenossenschaft oder die Krankenkasse mit Leistungen einzutreten hat? – Ist es durchaus nicht. Denn die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherungsträger sind regelmäßig umfassender, auch was die Höhe des Lohnersatzes angeht, für den meist zum Teil weitaus höhere Grenzbeträge gelten. (News-Reporter.NET/Wolfgang Büser)

{ 0 comments… add one now }

Leave a Comment

Previous post:

Next post: