Le-Mans-Countdown, Teil 7: Ohne den Instinkt echter Racer läuft nichts

18. April 2010

Was dazu gehört, um am Ende in Le Mans einen Null-Fehler-Job abzuliefern, darüber berichtet Tom Kristensen in dieser Woche in seiner Kolumne. Teamarbeit, Verantwortung, Know-how und nicht zuletzt Selbstvertrauen und das Bedürfnis, Gutes immer noch besser zu machen, sind es, was Chancen auf einen Sieg bei dem Langstreckenklassiker überhaupt erst aufkommen lassen. Kristensen, Rekordsieger in dieser „Disziplin“, weiß, dass ihm und seinem Audi Sport Team Joest nichts geschenkt wird.

„Dass Dindo (Capello) und Allan (McNish) am vergangenen Wochenende mit einer absolut perfekten Leistung das 8-Stunden-Rennen in Le Castellet gewonnen haben, war gut für das Team, das erstmals mit dem R15 plus unter Rennbedingungen gearbeitet hat. Wir wissen nun, dass wir mit dem neuen Auto in die richtige Richtung unterwegs sind. Das einzige Problem, das es im Rennen gab, war ein lockerer Außenspiegel – wenn das mal kein gutes Omen für Le Mans ist!

Bei allem Respekt vor dem Oreca-Team wissen wir allerdings auch ganz genau, dass die Messlatte in Le Mans mit dem Peugeot-Werksteam für uns noch etwas höher liegen wird.

Beim Testeinsatz in Le Castellet waren alle Schlüsselfiguren vor Ort, die auch zum Le-Mans-Team gehören werden. Natürlich wird die Mannschaft dann noch etwas größer sein, weil wir statt einem Fahrzeug drei R15 TDI einsetzen. Drei Autos bedeuten einfach drei Siegchancen.

Generell braucht man in Le Mans viele gute Leute. Ich behaupte, dass ein neues Team beim ersten Einsatz in Le Mans keine Chance hätte, das Rennen zu gewinnen. Man braucht in Le Mans Know-how, Intelligenz, Selbstvertrauen und den Instinkt der echten Racer. Jeder im Fahrerlager weiß zudem, dass es nur einmal im Jahr die Möglichkeit gibt, Le Mans zu gewinnen. Man spürt eine einzigartige Kombination von Ambition, Konzentration und Leidenschaft. Dieser Cocktail macht Le Mans so speziell.

Es kommt aber nicht nur auf Erfahrung an. Man muss sich immer wieder selbst hinterfragen und jedes Mal versuchen, es noch besser zu machen als im Jahr zuvor. Deshalb ist es auch ganz gut, einige junge Kollegen und neue Motivation im Team zu haben.

Ein prima Beispiel ist Stefan Grimm, der erst 28 Jahre alt ist und im vergangenen Jahr erstmals als Chefmechaniker an unserem Auto gearbeitet hat. Stefan und seine beiden Kollegen Roberto Tavaglione und Michael Strehler sind an ihren Fahrzeugen für jeweils rund zehn Mechaniker verantwortlich, die den einzelnen Autos zugeordnet sind. Dazu kommen einige Mechaniker, die übergreifend arbeiten und im Fall von größeren Problemen helfen können.

Die Chefmechaniker sind verantwortlich für die Umsetzung aller Arbeiten am Auto. Die Entscheidungen, was gemacht wird, trifft prinzipiell der Fahrzeugingenieur, in unserem Fall Howden Haynes. Brad Kettler ist sein Pendant für Startnummer 8, Dominic Zeidtler bei für die Startnummer 9. Die Fahrzeugingenieure wiederum haben Assistenten, die sich in erster Linie mit der Datenanalyse beschäftigen: Leena Gade (bei uns), Justin Taylor und Timo Völkl.

Die Fahrzeugingenieure sind die direkten Ansprechpartner für uns Fahrer und stimmen ihre Arbeit mit den Verantwortlichen von Audi Sport und dem Team Joest ab, die bei den Rennen zu einer Einheit verschmelzen – eben dem Audi Sport Team Joest. Dr. Wolfgang Ullrich trägt die Gesamtverantwortung für Audi Sport, Reinhold Joest und Ralf Jüttner für das Team Joest.

Bei der Aufzählung der wichtigen Personen darf man natürlich auch Dr. Martin Mühlmeier (Leiter Technik bei Audi Sport), Ulrich Baretzky (Leiter Motorenentwicklung), Wolfgang Appel (Leiter Fahrzeugentwicklung), Projektleiter Chris Reinke sowie das gesamte Design- und Entwicklungs- und Testteam des R15 plus nicht vergessen, die schon seit vielen Monaten an dem Auto arbeiten.

Eine ganz zentrale Person im Le-Mans-Projekt neben Ralf Jüttner auf Joest-Seite ist Jo Hausner. Er ist bei Audi Sport verantwortlich für das Gesamtfahrzeug und in alle wichtigen technischen Entscheidungen involviert. Für mich ist er das perfekte Bindeglied zwischen Theoretikern und Praktikern.

Eine ganz wichtige Aufgabe beim Rennen haben auch die Techniker, die für die Überwachung der Telemetrie-Monitore verantwortlich sind. Die müssen während des Rennens rund um die Uhr arbeiten und haben nicht wie wir Fahrer die Möglichkeit, sich zwischendurch ein wenig regenerieren zu können. Wobei generell gilt, dass Le Mans für alle Beteiligten ein extrem harter Job ist – vom Sportchef über die Physiotherapeuten bis hin zum Security-Personal in der Box.

Während der Le-Mans-Woche sind über 100 Personen für das Audi Sport Team Joest im Einsatz. Sie alle müssen perfekt zusammenarbeiten und einen Null-Fehler-Job auf höchstem Niveau liefern, damit am Ende des Rennens um 15 Uhr drei Audi-Fahrer die Chance haben, ganz oben auf dem Podium zu stehen.“

Ihr Tom Kristensen

(auto-reporter.net)

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