Mobilitätsstudie hinterfragt autonomes Fahren

16. Mai 2017

Picture

Die Entwicklung autonom fahrender Autos schreitet zwar mit viel
PR-Getöse voran, wird aber von vielen Verkehrsteilnehmern
zurückhaltend bewertet. Der Frage, wie der Mensch die Interaktion
mit selbstfahrenden Fahrzeugen einschätzt, geht die
‚ThinkGoodMobility‘-Studie nach. Goodyear hatte die Studie
gemeinsam mit der London School of Economics (LSE) erhoben; sie
beinhaltet die Befragung von Fokusgruppen aus vier europäischen
Ländern mit insgesamt 48 Teilnehmern und einer Online-Studie, an der
sich insgesamt 12.000 Befragte aus elf Ländern beteiligt hatten.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Akzeptanz für autonomes Fahren
sehr verhalten ist, was möglicherweise den besonderen kulturellen
und emotionalen Stellenwert des Autos widerspiegelt. Wer will schon
das Lenkrad aus der Hand geben und warum soll man auf die Fahrfreude
verzichten? Allerdings legt die Studie die Vermutung nahe, dass der
Zuspruch für die neuartige Technologie steigen könnte, sobald ein
Nutzen erkennbar ist. „Dann kann man sein Auto zum Bäcker schicken
am Samstagmorgen. Zettel reinlegen, anrufen, Zettel liegt drin, Geld
auch", so eine weibliche der befragten Personen. Auch die steigende
Sicherheit wird als möglicher rationaler Nutzen vermutet. „Wenn
ich von einer Fete nach Hause komme, ist mir jedes autonome Auto
lieber, als dass ich selber fahren müsste", so die Befragte weiter
- in Verkennung der Tatsache, dass sie auch dann fast Nichts
trinken darf.

Sind Einflussfaktoren im Spiel, welche die bisherige Verwendung
des Autos verändern, sehen die Interviewten die neuen Entwicklungen
eher skeptisch. So zeigt die Studie, dass laut 79 Prozent der
Befragten ein Fahrer prinzipiell jederzeit die Kontrolle über sein
Auto haben sollte. 72 Prozent stimmen damit überein, dass ein Fahrer
in der Lage sein muss, bei Bedarf mit anderen Autofahrern
kommunizieren zu können, während 57 Prozent bestätigen, dass
autonome Fahrzeuge mangels nötigem Menschenverstand nicht in der
Lage sind, mit menschlichen Fahrern zu interagieren.

Geht es um zusätzliche Komponenten, welche die Befragten auf
jeden Fall in autonomen Fahrzeugen vorfinden möchten, so sind die
Top drei das Lenkrad, welches 75 Prozent der Befragten wichtig ist,
fortschrittliche Sicherheitstechnik zum Schutz von Fußgängern, die
sich 66 Prozent wünschen, und smarte Reifen, welche 58 Prozent nicht
missen möchten. Da den Reifen als einzige physische Verbindung
zwischen Fahrzeug und Straße auch künftig eine wichtige Rolle
zukommt, beschäftigt Goodyear sich bereits seit vielen Jahren mit
‚smarten Reifen‘. Sie sollen stärker mit dem Fahrzeug, anderen
Straßenteilnehmern oder der Infrastruktur vernetzt sein und situativ
auf Straßenverhältnisse reagieren können.

Dass es bei vernünftigen Autofahrern Vorbehalte gegen autonome
Fahrzeuge gibt, geht aus der Studie zweifelsfrei hervor. Dabei
veranschaulicht sie deutlich, welchen Einfluss der Faktor Mensch
neben Hard- und Software auf die Bewertung künftiger
Mobilitätskonzepte hat und unterstreicht gleichsam die Relevanz der
Straße als sozialer Raum. Sie legt außerdem nahe, dass die Fahrer,
sobald sie einen klaren Nutzen für Verkehrssicherheit und die eigene
individuelle Mobilität erkennen, eher bereit sind, sich gedanklich
auf die neue Technologie einzulassen. Dies ist nicht nur eine
wichtige Grundlage dafür, bestehende Vorbehalte zu überkommen,
sondern auch ein erster Schritt dahin, künftig das Lenkrad aus der
Hand zu geben. (dpp-AutoReporter/wpr)

{ 0 comments… add one now }

Leave a Comment

Previous post:

Next post: