Neues Kältemittel R1234yf: Hersteller haften bei Schäden

4. April 2014

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Sollten bei einem Unfall Menschen durch das neue Klimaanlagen-Kältemittel R1234yf verletzt werden oder gar zu Tode kommen, dürften die Automobilhersteller nach der europäischen Produktsicherheitsrichtlinie schadensersatzpflichtig werden. Karina Hellbert, Rechtsanwältin mit Spezialisierung auf Produkthaftung, sagt gegenüber AUTO BILD (Heft 14): "Der Hersteller ist haftbar, weil er unter Berücksichtigung aller relevanten Aspekte ein sicheres Produkt auf den Markt zu bringen hat. Dazu gehört auch ein Unfallszenario." Insbesondere wird die Autoindustrie später nicht behaupten können, man habe die Gefahren von R1234yf nicht gekannt, so Hellbert, denn "die Ergebnisse des Kraftfahrt-Bundesamts sind eindeutig: Bei gewissen Szenarien kommt es zur vollen Entflammung des Motorraums unter Bildung von Fluorwasserstoff in erheblichen Mengen."

Nachdem Daimler im Herbst 2012 bei Tests festgestellt hatte, dass sich das neue Kältemittel bei Unfällen entzünden kann, wollen zahlreiche Hersteller, allen voran Mercedes, dieses Risiko nicht mehr eingehen. Sie verzichten in Neuwagen auf R1234yf und nutzen weiter das alte, sichere R134a. Dieses Kältemittel hat die EU jedoch seit 2011 in neuen Automodellen verboten, weil es stark zur Klimaerwärmung beiträgt. Deshalb strengt EU-Kommissar Antonio Tajani zurzeit ein sogenanntes Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland an.

Seiner Meinung nach lassen sich die Sicherheitsprobleme durch technische Maßnahmen in den Griff bekommen. Hier wären beispielsweise Löschanlagen denkbar. Sollte das Vertragsverletzungsverfahren Erfolg haben, könnte die EU im zweiten Schritt ein Zwangsgeld gegen Deutschland verhängen. Ob es so weit kommt, ist aber noch offen: Der Europäische Gerichtshof berücksichtigt nicht nur Industrieinteressen, sondern auch den Gesundheitsschutz. (dpp-AutoReporter)

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Neues Kältemittel R1234yf: Hersteller haften bei Schäden

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Sollten bei einem Unfall Menschen durch das neue Klimaanlagen-Kältemittel R1234yf verletzt werden oder gar zu Tode kommen, dürften die Automobilhersteller nach der europäischen Produktsicherheitsrichtlinie schadensersatzpflichtig werden. Karina Hellbert, Rechtsanwältin mit Spezialisierung auf Produkthaftung, sagt gegenüber AUTO BILD (Heft 14): "Der Hersteller ist haftbar, weil er unter Berücksichtigung aller relevanten Aspekte ein sicheres Produkt auf den Markt zu bringen hat. Dazu gehört auch ein Unfallszenario." Insbesondere wird die Autoindustrie später nicht behaupten können, man habe die Gefahren von R1234yf nicht gekannt, so Hellbert, denn "die Ergebnisse des Kraftfahrt-Bundesamts sind eindeutig: Bei gewissen Szenarien kommt es zur vollen Entflammung des Motorraums unter Bildung von Fluorwasserstoff in erheblichen Mengen."

Nachdem Daimler im Herbst 2012 bei Tests festgestellt hatte, dass sich das neue Kältemittel bei Unfällen entzünden kann, wollen zahlreiche Hersteller, allen voran Mercedes, dieses Risiko nicht mehr eingehen. Sie verzichten in Neuwagen auf R1234yf und nutzen weiter das alte, sichere R134a. Dieses Kältemittel hat die EU jedoch seit 2011 in neuen Automodellen verboten, weil es stark zur Klimaerwärmung beiträgt. Deshalb strengt EU-Kommissar Antonio Tajani zurzeit ein sogenanntes Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland an.

Seiner Meinung nach lassen sich die Sicherheitsprobleme durch technische Maßnahmen in den Griff bekommen. Hier wären beispielsweise Löschanlagen denkbar. Sollte das Vertragsverletzungsverfahren Erfolg haben, könnte die EU im zweiten Schritt ein Zwangsgeld gegen Deutschland verhängen. Ob es so weit kommt, ist aber noch offen: Der Europäische Gerichtshof berücksichtigt nicht nur Industrieinteressen, sondern auch den Gesundheitsschutz. (dpp-AutoReporter)

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