Oldtimer: Restauriert wie neu oder gebrauchter Originalzustand?

25. März 2014

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Ein spektakulärer „Scheunenfund" steht im Mittelpunkt des Messeauftritts der Expertenorganisation DEKRA auf der Techno Classica in Essen. Vom 26. bis 30. März ist am Stand 321 in Halle 3.0 ein Citroën Typ C aus den 1920er Jahren zu sehen, der seit Jahrzehnten unentdeckt in einer Scheune bei Sancerre (Frankreich) gestanden hatte. „Der Wagen hat natürlich reichlich Patina angesetzt", so Thorsten Ruthmann, Koordinator des DEKRA Classic Service. „Für den Laien mag das Fahrzeug sogar so aussehen, als wäre es nichts mehr wert." Doch gerade Fahrzeuge im Originalzustand mit einem solch besonderen Erscheinungsbild sind zurzeit am Markt zunehmend gefragt, so der Experte.

„Im Grunde kann man jedes Auto restaurieren, so dass es aussieht wie neu", sagt Ruthmann. „Einen Zustand wiederherzustellen, in dem man dem Fahrzeug seine Historie ansehen kann, ist ungleich schwieriger." Als Beleg für den Markttrend weg von der Komplettrestaurierung führt der Experte eine Auktion unlängst in den USA an, bei der zwei baugleiche Mercedes 300 SL Flügeltürer versteigert wurden. „Der eine, komplett restauriert und im absoluten Hochglanz-Zustand, brachte 1,4 Millionen Dollar ein. Der andere, unrestauriert und abgenutzt, mit Rissen in den Ledersitzen und Rostspuren an der Karosserie, kam auf 1,9 Millionen Dollar."

Auch der Citroën C aus Zentral-Frankreich, den DEKRA auf der Techno Classica zeigt, trägt deutlich sichtbare Spuren seiner offenbar bewegten Geschichte. „Bei einem solchen Fund müsste man heute den Rat geben, ihn auf keinen Fall komplett zu restaurieren, sondern ausschließlich technisch auf Vordermann zu bringen", sagt Thorsten Ruthmann.

Ganz egal, ob ein Oldtimer restauriert ist wie neu oder sich in einem eher abgenutzten Originalzustand befindet: Der DEKRA Experte empfiehlt den Besitzern automobiler Schätze, entsprechende Wertgutachten regelmäßig zu aktualisieren. „Marktschwankungen und Restaurierungsarbeiten können den Wert eines Fahrzeugs ganz schnell um mehrere Tausend Euro steigern", so Ruthmann. Kann der Besitzer im Schadenfall kein aktuelles Wertgutachten vorlegen, reguliert die Versicherung den Schaden auf der Basis der vorliegenden Expertise, oder es wird der Durchschnittswert geschätzt. Nicht dokumentierte Restaurierungsarbeiten blieben dann unberücksichtigt.

„Es ist sinnvoll, das Wertgutachten regelmäßig auf den aktuellen Stand zu bringen. Der Schadenfall kommt immer unangekündigt, und er ist häufiger, als man denkt", sagt der DEKRA Experte. „So besteht bei Veranstaltungen ein erhöhtes Diebstahlrisiko. Auch Brände in Fahrzeughallen oder Garagen sind gar nicht so selten. Wir erleben regelmäßig, dass die verlorenen Fahrzeuge zu gering versichert sind."

Deshalb empfiehlt Ruthmann, alle zwei bis drei Jahre zu überprüfen, ob sich der Wert des Oldtimers spürbar verändert hat und gegebenenfalls ein entsprechendes Gutachten in Auftrag zu geben. (dpp-AutoReporter)

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