Regeln im winterlichen Straßenverkehr

16. November 2017

Picture

Der Winter steht vor der Tür und mit ihm viele Risiken, die die
kalte Jahreszeit für Auto und Fahrer mit sich bringt. Doch wer
haftet eigentlich für Fahrzeugschäden durch Dachlawinen oder
Rollsplitt? Und was passiert, wenn man mit der falschen Bereifung in
einen Unfall verwickelt wird? Franz Eiber, Kfz-Experte bei A.T.U
erklärt, welche Sonderregeln und speziellen Bußgeldverordnungen für
den winterlichen Straßenverkehr gelten.

„Wer bei Glatteis oder Schnee mit dem Auto unterwegs ist, muss
über eine entsprechende wintertaugliche Bereifung verfügen", so
Franz Eiber. „Fahrer, die bei diesem Wetter mit Sommerreifen
erwischt werden, kassieren einen Punkt in Flensburg und zahlen
Bußgelder zwischen 60 und 120 Euro." Falls das Fahrzeug in einen
Unfall verwickelt wird, drohen Schwierigkeiten mit der
Kasko-Versicherung. Unter Umständen muss der Fahrzeugführer sogar
dann eine Mithaftung übernehmen, wenn er gar nicht der Verursacher
ist.

Wer zahlt, wenn Eisplatten vom Dach eines Lkw rutschen und die
nachfolgenden Fahrzeuge beschädigen? Haftbar für solche Schäden
ist der Lastwagenfahrer. Er ist verpflichtet, sein Fahrzeug vor dem
Start in einen ordnungsgemäßen Zustand zu bringen, also von Schnee
und Eis zu befreien. Pkw-Fahrer müssen ebenfalls dafür sorgen, dass
die weiße Pracht nicht während der Fahrt vom Dach rutschen und so
andere Verkehrsteilnehmer gefährden oder die eigene Sicht versperren
kann. Das Bußgeld für ein schneebedecktes Autodach beläuft sich
auf 25 Euro.

Sind die Scheiben im Winter vereist, reicht es nicht aus, einfach
nur ein ‚Guckloch‘ frei zu kratzen. Wer so unterwegs ist, wird
mit zehn Euro Bußgeld belangt. Schließlich fordert die
Straßenverkehrsordnung eine ungehinderte Sicht. Dafür muss der
Fahrer seine Autoscheiben vor dem Start vollständig von Schnee und
Eis befreien. Unzulässig ist es, den Motor im Stand laufen zu
lassen, damit das Eis schon mal antaut und sich leichter entfernen
lässt. Wer es trotzdem tut, riskiert ebenfalls zehn Euro Bußgeld
wegen unnötiger Lärmbelästigung und Umweltbelastung. Weitere fünf
Euro sind fällig, wenn die Kennzeichen nicht freigelegt wurden.

Dachlawinen sorgen im Winter oft für böse Überraschungen. Wenn
Schnee und Eis unkontrolliert von einem Hausdach abrutschen, kann ein
erheblicher Schaden an den darunter parkenden Autos entstehen. Ob der
Fahrzeughalter auf dem Schaden sitzen bleibt oder eventuell der
Hauseigentümer dafür aufkommen muss, ist von Fall zu Fall
verschieden. Entscheidend sind die regionalen Vorschriften, die
generellen Witterungsbedingungen vor Ort, eventuell aber auch die
jeweilige Lage des Hauses oder die Neigung des Daches. Wer auf Nummer
sicher gehen möchte, sollte bei entsprechenden Wetterverhältnissen
schon vor dem Abstellen seines Wagens ein kritischen Blick nach oben
werfen.

Verschneite Verkehrsschilder sind kein Freibrief. Vorfahrts- und
Stoppzeichen sind auch im schneebedeckten Zustand gültig, da man sie
an ihrer Form jederzeit eindeutig erkennen kann. Bei
Parkverbotsschildern muss der Autofahrer im Zweifelsfall aussteigen
und sich das Schild genau ansehen. Auch beim Tempolimit können sich
Ortskundige nicht mit einem zugeschneiten Verkehrszeichen
herausreden. Ihnen wird unterstellt, dass sie die lokalen
Geschwindigkeitsbegrenzungen sehr wohl kennen. Für Ortsunkundige
gilt das nicht unbedingt. Rasen ist aber dennoch tabu, schließlich
müssen Autofahrer ihre Geschwindigkeit den winterlichen Straßen-
und Sichtverhältnissen anpassen.

Bei dichtem Schnee mit Sichtweiten unter 50 Metern beginnen die
Bußgelder für zu schnelles Fahren bei 80 Euro. Mehr als 70
Kilometer zu schnell schlagen dann schließlich außerorts mit 600
Euro und innerorts mit 680 Euro zu Buche. Hinzu kommen zwei Punkte in
Flensburg und ein Fahrverbot. Generell gilt: Ist die Sicht durch den
Schneefall stark eingeschränkt, muss das Abblendlicht auch bei Tag
eingeschaltet werden. Bei Zuwiderhandlungen sind innerhalb der
geschlossenen Ortschaft 25 bis 35 Euro und außerhalb 60 bis 90 Euro
plus ein Punkt in Flensburg fällig.

 

Wie ist die Haftung für Schäden am Auto durch Rollsplitt oder
Streusalz geregelt? Das kommt darauf an: Wenn ein Fahrzeug im
Vorbeifahren das Streugut von der Straße hochschleudert und dadurch
ein anderes Auto beschädigt, dann muss der Betroffene das als
unvermeidbar hinnehmen. Hat jedoch das Streufahrzeug beim Auswerfen
auf die Straße den Schaden verursacht, dann ist dessen Halter dafür
verantwortlich - in der Regel die Kommune oder ein beauftragter
Streudienst. Allerdings muss dem Fahrer ein entsprechendes
Verschulden nachgewiesen werden. (dpp-AutoReporter/wpr)

{ 0 comments… add one now }

Leave a Comment

Previous post:

Next post: