Warnung: Akku dran und Motor, fertig ist das E-Bike?

7. Februar 2011


Zum Fahrrad gehören das Basteln und Schrauben wie das Radeln selbst. Sicherheitsrelevante Bauteile freilich lässt man besser beim Fachhändler tauschen oder nachrüsten. Neuerdings gibt es auch Angebote zur Nachrüstung von Fahrrädern mit E-Antrieben. Bauteile, die fürs normale Fahrrad ohne Motorunterstützung entwickelt wurden, sind für ein E-Bike aber oft nicht geeignet.

Bei der Nachrüstung eines gebrauchten Rades kann niemand abschätzen, wie stark Rahmen, Gabel, Lenker oder andere sicherheitsrelevante Bauteile bereits ermüdet sind und ob sie den erhöhten Anforderungen eines E-Bikes überhaupt standhalten. Solch eine Warnung kommt beispielsweise vom Produktmanager Rolf Häcker des in der Radbranche bekannten Unternehmens Humpert. Dass selbst dann, wenn man alle sicherheitsrelevanten Bauteile am Rad durch Neuteile ersetzen würde, noch keine Aussage über die Gesamtstabilität des Fahrzeugs getroffen werden könne, darauf macht der Geschäftsführer des Pedelec-Pioniers Biketec, Kurt Schär, aufmerksam. Berücksichtigt werden müssten sowohl das Mehrgewicht durch Antrieb und Akku als auch die erreichbare erhöhte Durchschnitts- und Höchstgeschwindigkeit. An den Rädern verbaue man deshalb entweder hydraulische Felgenbremsen oder Scheibenbremsen, die die geforderten Verzögerungswerte witterungsunabhängig garantieren.

Fahrrad + Motor + Akku = E-Bike, diese Rechnung geht nicht auf. E-Bike-Hersteller setzen bei der Entwicklung von Antriebskonzepten auf die Integration der Bauteile ins Gesamtkonzept des Rades. Wie das geht, erklärt Anke Namendorf vom niederländischen Hersteller Koga an einem Beispiel. Der Akku wurde im speziell angefertigten Unterrohr des Rahmens integriert.

Auch juristisch gibt es einiges zu bedenken. „Sobald ein Händler den Umbau eines Fahrrads zum E-Bike oder Pedelec vornimmt, wird er zum Hersteller des Gesamtprodukts mit allen vom Gesetzgeber geforderten Gewährleistungen“, sagt Roland Huhn, Rechtsreferent des ADFC. Der Händler, der das Fahrrad nachrüstet, ist demnach nicht nur für den einwandfreien Betrieb des Elektroantriebes, sondern auch für das gesamte Fahrzeug verantwortlich. Die Produzentenhaftung gilt zehn Jahre.

„Ob ein Händler diese Verantwortung tragen will, muss er selbst entscheiden. Wir raten schon allein aus diesem Grund vom nachträglichen Umbau eines Rades zum E-Bike ab“, ergänzt Dirk Sexauer vom unabhängigen Rad-Branchenverband VSF.

Auch der private Hobbybastler löscht mit dem Umbau seines Rades die Garantieleistungen des Radherstellers. An Brisanz gewinnt das Thema, sobald Elektroantriebe über die Pedelec-Definition, also die Trittunterstützung bis 25 km/h, hinausgehen. Bei den sogenannten offenen E-Bikes sind zusätzlich die Versicherungspflicht, eine Überprüfung beim TÜV zum Erhalt einer Betriebserlaubnis und die besondere Ausstattung zu beachten. Darunter fallen nicht nur Nummernschild, zusätzliche Reflektoren und ein Rückspiegel. Selbst die Reifen unterliegen gesetzlichen Bestimmungen. Peter Horsch, Produktmanager E-Bikes beim Hersteller Riese und Müller, macht darauf aufmerksam, dass die StVZO bei Reifen an schnellen E-Bikes eine Mindestprofiltiefe von einem Millimeter fordere.

Die Branche ist sich einig: Nachträgliches Aufrüsten eines Velos zum Stromer hat mehr Nach- als Vorteile. Nicht nur der ADFC rät zur Alternative: das für die Nachrüstung vorgesehene Rad beim Kauf eines geprüften E-Bikes im Fachhandel in Zahlung zu geben. Ein Nachrüstkit für seine Räder bietet zurzeit allerdings nur der Reiseradhersteller Utopia an. Ihm liegt eine Belastungsprüfung des Rades zugrunde, das speziell nach den Anforderungen an einen bestimmten Einsatzzweck (Reiserad) entwickelt wurde und die Gewährleistung für das entstandene Pedelec beinhaltet.(Auto-Reporter.NET/wr)
   

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Jeffery Meryman März 20, 2011 um 01:55 Uhr

Es gibt auch noch Seiten mit gutem Content 🙂

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