WebAutoBlog.Com: Die Tokio Motorshow verliert ihre Bedeutung

4. August 2011


Die Motorshow in Japans Hauptstadt war einst der zentrale Messeauftritt der gesamten Autoindustrie für den asiatischen Markt. Jetzt kämpft die Show um Aussteller und Medien-Relevanz.

Sicher, alle deutschen Hersteller werden mit ihren Ständen in Tokio vertreten sein, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) auf Anfrage bestätigt. Es gibt für die Autohersteller in Deutschland keinen Grund, Tokio nicht mehr als wichtigen Messestandort zu verstehen, ist die offizielle Meinung. Hinter den Kulissen wird in den Marketingabteilungen der Hersteller aber schon lange diskutiert, ob sich der hohe finanzielle Aufwand für die „Tokyo Motor Show“ noch lohnt, die dieses Jahr übrigens erst im Dezember (2.12.) stattfinden wird. Der Veranstaltungsort ist, wie berichtet, von der Makuhari Messe näher ans Stadtzentrum (zurück)verlegt worden ist. Im Tokyo Big Sight, das Convention Center im Stadtteil Ariake ziemlich nahe am Hafen, war die Autoshow zuletzt vor 24 Jahren veranstaltet worden.

Die Kosten für die Automessen sind von Jahr zu Jahr ins Astronomische gestiegen. Da macht es Sinn, irgendwo den Rotstift anzusetzen. Detroit, Genf, New York, Shanghai, Peking, Los Angeles, Frankfurt und Paris und viele andere Messe-Pflichtauftritte sind teuer. „Wir gehen seit zwei Jahren daran, diese Kommunikationsplattformen zurück zu schneiden und uns auf die wirklich notwendigen Auftritte zu konzentrieren“, sagt ein Messe-Manager eines großen Herstellers. Und weiter: „Eigentlich hätten wir Tokio ganz von unserer A-Liste streichen und es der japanischen Vertretung überlassen sollen, was und wie groß unsere Marke dort auftritt.“ Allerdings seien die Hersteller jetzt vorsichtig mit solchen Äußerungen. Nicht in Tokio aufzutreten sehe so aus, als habe Fukushima nicht nur die wahlkampfgetriebene Energiewende verursacht, auch dieses verursacht und man wolle nicht als fahnenflüchtig erscheinen.

Fest steht aber, dass der japanische Markt für die deutschen Marken nicht mehr so wichtig und absatzstark ist wie zum Beispiel der indische oder der chinesische Markt. Das nachlassende Medieninteresse an der Tokioter Show ist auch zu hören, wenn man mit Journalisten spricht, die sonst jedes zweite Jahr nach der IAA auch Tokio auf dem Terminkalender stehen hatten.

Das weltweit wichtigste Automobil-Messe-Ereignis bleibt ganz klar die IAA in Frankfurt. Gerade in diesem Jahr wollen hier alle Autohersteller zeigen, dass es der Autoindustrie nach dem Krisenjahr 2009 wieder gut geht. Und dass sie gewillt sind, die Zukunft zu gestalten. Oder wie es Mercedes-Chef Dieter Zetsche zu sagen pflegt: Es gilt, das Auto neu zu erfinden. Und das wird auf der diesjährigen Internationalen Automobil Ausstellung überdeutlich zu sehen sein. Wie keine IAA zuvor wird sie zukunftsorientiert sein. Was man aus den Messeabteilungen so hört, werden aktuelle Modelle weniger eine Rolle spielen als die Fingerzeige in die Zukunft. Auch die Messestände werden in diesem Jahr völlig neue Dimensionen aufweisen. So hat Audi beispielsweise einen Stand, auf dem die Messebesucher Fahrzeuge Probe fahren können. Das hat es noch nie gegeben. Wir sind gespannt. (WAB/Peter Groschupf)

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